Berichte Vlekje - Bericht

 

ERSTE NACHSUCHE (8. Mai 2004)

Um 22.20 Uhr bekam ich einen Anruf. Vlekje sollte am nächsten Morgen ein angeschossenes Reh  nachsuchen. Der Bock fiel nach dem Schuss sofort um und blieb  für ca. 2 Minuten in dem sehr hoch bewachsenen Wildacker liegen. Der Jäger war noch dabei nachzuladen, als der Bock schließlich zusammen mit einem Schmalreh abgesprungen ist. Wegen ungünstiger Fluchtrichtung konnte kein zweiter Schuss abgegeben werden.

Gegen 7.45 Uhr hat Vlekje die Schweißfährte aufgenommen. Der Jagdaufseher ist mit ihm gegangen. Schon nach ca. 150 m wurde kein Schweiß mehr gefunden und Vlekje zog den Jagdaufseher in seinem üblichen Tempo im Wald einen Hang hinunter, der außerdem noch voller Brennesseln war. Der Jagdaufseher konnte nicht lange mithalten, weil der Abstieg einfach zu schwierig war. Schließlich sind sie dann "völlig fertig" zurückgekommen. Ich habe gesagt, dass Vlekje sich nun erst mal erholen müsse und schlug vor, dann nochmals zu suchen. Drei weitere Jäger, die zwischenzeitlich anwesend waren, haben ebenfalls vergeblich versucht, weitere Schweißspuren zu finden.

Gegen 10.30 Uhr sind wir dann aus der Fluchtrichtung kommend und ca. 1500 m vom Anschuss entfernt wieder auf die Suche gegangen. Wir sind über eine hochbewachsene Wiese zum Hang gegangen und hoch gestiegen. Nur diesmal natürlich ohne Schweißriemen. Vlekje sollte eine Freiverlorensuche machen. Irgendwann, als er leider außer Sicht war, bellte er. Ich holte ihn mit Komm-Pfiff zurück und ließ ihn wieder suchen. Er ging wieder in die Richtung, aus der er gekommen war und bellte anhaltend. Ich stand mitten im Hang und blieb dort, während der Jagdaufseher auf die obere Wiese und dann Richtung Vlekje ging. Als er in seiner "Nähe" war, hörte Vlekje auf  zu bellen und kam schließlich zu mir zurück. Der Jagdaufseher konnte von seiner Position aus leider nichts entdecken. Dem Bellen haben wir erst mal keine Beachtung mehr geschenkt und weiter vergeblich nach Schweißspuren gesucht. Als wir wieder auf der unteren Wiese waren, leinte ich Vlekje an und fragte, an welcher Stelle Vlekje denn genau gebellt hätte und dann überschlugen sich die Ereignisse. Vlekje riss sich mit unglaublicher Kraft von der Leine los und stürzte nach links. In ca. 20 m Entfernung sprang der Bock auf und flüchtete. Vlekje hinterher. Schließlich zog er ihn auf den Boden, hielt ihn fest und bellte zunächst noch dazu. Als wir bei ihnen waren, erlöste der Jagdaufseher den Rehbock. Er hatte einen Streifschuss seitlich an der Brust und deshalb nur kurze Zeit Schweiß verloren. Er legte mit seiner Verletzung noch über 1 km zurück.

Es war eine sehr interessante Erfahrung für mich und natürlich auch für Vlekje. Er scheint tatsächlich ein Jagdhund zu sein.


IM SENIOREN-PFLEGEHEIM (10. September 2004)

NGZ-Foto: H. Jazyk, Dormagen

Die Lokalpresse Neuss-Grevenbroicher Zeitung interessierte sich für Vlekje's Einsatz in einem Pflegeheim. Seine Menschenbezogenheit macht diese Tätigkeit möglich. Hier ein Auszug aus dem Artikel vom 11. September 2004:

 

In den Alltag des Heimes ein Stück Normalität bringen

Vierbeiner Vlekje ist der Star


Von Simon Hopf

Alle vierzehn Tage schaut Renate Klein mit ihrem speziell ausgebildeten Therapiehund im Grevenbroicher Seniorenzentrum Lindenhof vorbei. Bei den Besuchen des Labrador-Retrievers leben viele Bewohner regelrecht auf, überwinden ihre krankheitsbedingte Isolation.

Anna Müller ist glücklich. „Hast du mich gesucht?“, fragt sie und streichelt dem Labrador-Retreiver Vlekje zärtlich über das dichte, schwarze Fell. „Ich krabbel’ dich ein bisschen am Ohr“, sagt die fast blinde alte Dame zu dem ruhig vor ihr liegenden Hund. Auch Margarethe Schnock freut sich. Sie hat dem Vierbeiner schon einige Leckerlis zugesteckt. „Der hört aufs Wort“, meint die 78-Jährige und plaudert munter über ihre Erlebnisse mit Vlekje.

Der Hund ist seit Ende Februar alle vierzehn Tage für einige Stunden der absolute „Star“ im Grevenbroicher Seniorenzentrum Lindenhof. Der knapp sieben Jahre alte Rüde wurde bereits im Welpenalter für den Umgang mit hilfsbedürftigen und betagten Menschen geprägt. „Nach einer Grundausbildung zum Begleithund wurde er als Zweijähriger erstmals zu therapeutischen Zwecken eingesetzt“, erzählt Vlekjes Besitzerin Renate Klein, die sich bei ihren Besuchen im Lindenhof stets im Hintergrund hält.

Was zählt, ist der Kontakt des Hundes mit den Bewohnern, die regelrecht auftauen, wenn Vlekje ihnen seine feuchte Schnauze entgegenreckt. Barbara Kremers-Gerads, die seit fast zehn Jahren das Heim leitet, und Pflegedienstleiterin Barbara Nieskens sind vom Erfolg begeistert. Es sei „erstaunlich und rührend“ wie der Hund gerade auch bei Schwerkranken und Bettlägerigen wieder Reaktionen hervorrufe. „Wenn er sie anstupst sind sie plötzlich wieder wach“, sagt Nieskens.

Viele Bewohner genießen es richtiggehend, dass der Hund zu ihnen ein Vertrauensverhältnis aufgebaut hat. Darüber vergessen sie dann oft ihre alltäglichen Sorgen und Ängste, konzentrieren sich auf das Wohlergehen des Hundes, der von allen Seiten mit Kleinigkeiten verwöhnt wird. „Der Hund stammt aus einer speziellen Zucht“, berichtet Klein. „Aus einer Arbeitslinie.“ Daher müsse Vlekje stets beschäftigt werden, um nicht neurotisch zu werden, wie sie es ausdrückt.

Für den Hund sei es jedoch trotzdem sehr anstrengend. „Er muss sich ganz auf meine Kommandos konzentrieren.“ Allerdings lässt sie ihn zwischendurch auch mit den Senioren allein. So streift er beispielsweise beim nachmittäglichen Kaffeetrinken wie ein Besucher von Tisch zu Tisch. Es war die Idee von Renate Klein, die in unmittelbarer Nachbarschaft bei der Kreisverwaltung tätig ist, Vlekje im Lindenhof einzusetzen. Sie sprach die Heimleitung an - und stieß auf offene Türen. Denn Barbara Kremers-Gerads weiß um die vielen positiven Impulse, die Tiere den Bewohnern geben.

Meerschweinchen und Hasen gehören deshalb bereits zu den ständigen Hausgenossen. Wie sie im Gespräch mit der NGZ erläutert, werde der Lindenhof in eine Studie der Universität Köln eingebunden, die sich mit dem Einsatz von Tieren im Altenheim beschäftigt. Auch das Kuratorium deutsche Altershilfe nehme sich des Themas an.

Für Kremers-Gerads ist der Kontakt der alten Menschen, von denen ein großer Prozentsatz an Demenz leidet, zu Tieren ein weiterer Schritt, in den Alltag des Heimes ein Stück Normalität zu bringen.